Hochschulradios: Vom Hörsaal ins Radio

Wie landet man eigentlich beim Radio? Nicht selten führt der Weg über ein Hochschulradio und einige der heutigen Moderatoren und Redakteure haben ihre ersten Hörfunkschritte in einem Studio eines Campus-Senders gemacht. In ganz Deutschland gibt es an vielen Universitäten solche Sender, die meistens ausschließlich von Studierenden in Eigenregie betrieben werden. Am häufigsten wird stundenweise auf der Frequenz eines lokalen Senders gesendet, da es in nur wenigen Bundesländern eigene Lizenzklassen für gibt. Eine gängige Alternative ist inzwischen auch die Verbreitung via Internet. Die Finanzierung wird in den meisten Fällen über einen Verein geregelt, wie zum Beispiel beim Hochschulradio der Universität Bonn und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: bonnFM. Wie sich das Campusradio in Bonn entwickelt hat und warum es sich für radioaffine Studierende lohnen kann, bei einem Uniradio mitzumachen, dazu hat uns Gavin Karlmeier von bonnFM einige Fragen beantwortet.

Herr Karlmeier, wann wurde das Uni-Radio Bonn gegründet und wie kam es dazu?

Die Geschichte von bonnFM ist tatsächlich schon etwas länger und reicht bis ins Jahr 2005 zurück. Damals gab es noch mit dem viel diskutierten „Bonner Modell“ eine Lösung, nach der sich mehrere Campusradios gemeinsam eine Frequenz geteilt haben. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die Fragmentierung eigentlich nur einen unsinnigen Mehraufwand bedeutet, sodass sich aus diesem Sender zwei Stationen herauskristallisiert haben. Und diese haben dann im Jahr 2013 fusioniert – das war dann tatsächlich die Gründung vom Bonner Campusradio bonnFM, wie man es heute kennt.

Als was versteht sich bonnFM: als Ausbildungsradio? Lokalsender?

Wir sehen uns da in einer ganz komfortablen Position: Zum einen bedienen wir hauptsächlich in Bonn und St. Augustin ein studentisches Publikum mit einem Schwerpunkt auf lokalen Inhalten, sprich: Wenn in der Stadt ein spannendes Konzert stattfindet, wird man es mit großer Wahrscheinlichkeit zuerst bei uns mitbekommen. Andererseits sind wir ein Ausbildungsradio, bei dem jeder „Neue“ in seiner ersten Schicht ans Mikrofon darf, bei dem die Moderatoren die Reporter ausbilden und bei dem die Mentalität, Wissen weiterzugeben, sehr groß geschrieben wird. Um die Frage also zu beantworten: Sowohl als auch. bonnFM darf sich ausprobieren, darf aber auch Dinge ansprechen, die bei „den Großen“ vielleicht keine Rolle spielen würden. Dass unsere Musikauswahl auch eine eigene Farbe abdeckt, versteht da ja dann vielleicht sogar noch von selbst.

Wer kann bei bonnFM mitmachen? Gibt es irgendwelche Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen?

Grundsätzlich schadet es nicht, wenn man sich für eine journalistische Auseinandersetzung mit Themen interessiert – wenn man Inhalte gerne anschaulich verarbeiten, recherchieren und weiterdenken möchte. Darüber hinaus ist ein Faible für den Hörfunk von großem Vorteil! 😉 Im Grunde aber: Bei uns kann eigentlich jeder mitmachen, in dem er uns eine Mail an ausbildung@bonn.fm schickt.

Und was lernen die Studierenden dort? Und hat die Teilnahme Vorteile für Studierende, die nach dem Studium bei einem Radiosender arbeiten möchten?

Sicherlich gibt der Punkt „bonnFM“ auf dem Lebenslauf am Ende kein Freilos für die weitere Ausbildung in Medienhäusern und Rundfunkanstalten. Dennoch würde ich die Frage mit einem klaren „Ja!“ beantworten. Die Aneignung von Grundlagen, die Möglichkeit, sich journalistisch und am Mikrofon auszuprobieren und die gesammelte Erfahrung, in einem jungen journalistischen Team zusammenzuarbeiten, schaden ganz sicher nicht bei einer Karriere im Radio. Die Vergangenheit zeigt übrigens auch, dass viele, die nun Tag für Tag im Radio (nicht nur) zu hören sind, ihre Anfänge im Campusradio gefunden haben.

Vielen Dank für das Interview!

Wer gerne reinhören möchte: Über UKW in Bonn auf 96,8 MHz oder per Livestream http://bonn.fm/hoeren.

Autorin: Iris Mohr; Foto: Fotolia, PHOTOMORPHIC PTE.LTD

Webradios: Audioangebote im Netz nähern sich der 10.000er-Marke

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Schon im letzten Jahr zeichnete sich ein klarer Trend ab: Die Nutzung von Online-Audioangeboten steigt. Und zwar deutlich, wie die aktuellen Vorabergebnisse des Webradiomonitors 2015 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und des Bundesverbands digitale Wirtschaft zeigen.

Bei der ersten Erhebung im Jahr 2009 wurden noch 1.900 Audioangebote gezählt, im letzten Jahr dann knapp über 2.000. Keine bahnbrechende Steigerung, wenn man den Zeitraum von fünf Jahren berücksichtigt. Dafür gab es in den letzten zwölf Monaten einen starken Zuwachs. 9.792 Webradios stehen den Nutzern derzeit zur Verfügung – Tendenz weiter steigend. Kurz zur Erläuterung: Diese Zahl setzt sich aus verschiedenen Angeboten zusammen. 2014 wurden sieben Angebotsformen erfasst: Online-Only-Webradios, UKW/DAB+ im Internet (also die Kopie der klassischen Radioprogramme als Stream im Netz), die UKW/DAB+ Submarke (Sondersendungen z.B. zu bestimmten Musikrichtungen, die die Sender ausschließlich online anbieten), Musik-Plattformen wie beispielsweise Spotify, Personal Radio und User Generated Radio wie laut.fm sowie Aggregatoren wie radio.de oder phonostar.de, die lediglich die Programme wiedergeben. Weitere Erklärungen dazu gibt es in der Ergebnispräsentation des Webradiomonitors 2014 oder hier im Blog.

Eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Online-Audioangebote spielen Smartphone und Tablet, denn laut Befragung rufen ein Drittel der Nutzer Webradios über mobile Endgeräte ab. Aber: Acht von zehn Usern bestätigten, dass ein begrenztes Datenvolumen im Mobilfunktarif die mobile Nutzung der Audio-Angebote erschwert. Daher wünschten sich die meisten bessere Flatrates für mobile Daten oder auch eine bessere Verbreitung von LTE.

Die ausführlichen Ergebnisse der Befragung sollen am 22. Oktober auf den Medientagen München vorgestellt werden. Vorabinformationen gibt es bei der BLM und bei webradiomonitor.de. Dort stehen auch die Ergebnisse der vergangenen Studien zur Verfügung.

Autorin: Iris Mohr; Foto: Vldev, Fotolia

Sind Promis in Radio-PR-Beiträgen ein Gewinn?

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Im Fernsehen sind Prominente, die für ein bestimmtes Produkt oder eine Kampagne werben, nichts Neues. Auch in Radio-Werbespots kommen immer wieder berühmte Persönlichkeiten als Testimonial zu Wort. So wirbt beispielsweise hier im Rheinland Lukas Podolski für die Kölner Bierbrauerei „Früh“, und zwar unter anderem für deren antialkoholische Brause „Früh Sport“. Klar, das passt. Und Poldis Stimme ist auch so bekannt, dass sie im Radio wunderbar funktioniert. Soweit so gut.

Durch das PR-Journal wurde ich kürzlich auf eine Studie des Forschungsinstitutes Human Brand Index aufmerksam, die unter anderem untersuchte, welche Rolle prominente Personen in der Werbung für die Konsumenten spielen. Für die Studie wurde auch das grundsätzliche Interesse an Prominenten abgefragt. Dabei zeigte sich, dass sich die meisten der Deutschen am ehesten für Schauspieler interessieren (54%), ähnlich viele zeigen großes Interesse an Musikern (50%) und auf dem dritten Platz landeten die Fußballspieler (35%). Die berühmt berüchtigten C-Promis und Casting-Show-Teilnehmer liegen zusammen mit den Youtubern dagegen auf dem letzten Platz (12%) und sind für die Verbraucher kaum von Interesse. Mit Lukas Podolski liegt der Bierbrauer also genau richtig.

Wie stehen die Deutschen denn zu prominenten Testimonials in der Werbung? Für mehr als die Hälfte macht es schlichtweg keinen Unterschied, ob sich ein VIP für das Produkt ausspricht oder nicht. 57 Prozent gaben an, einen Spot mit Promi genauso gut oder schlecht zu finden, wie einen ganz normalen Spot. 27 Prozent bewerteten eine Werbung mit Promi besser als ohne und 16 Prozent sprachen sich für Werbung ohne aus. Außerdem zeigte sich, dass Menschen, die prinzipiell ein hohes Interesse an Celebrities haben, bevorzugen auch Spots mit Prominenten. Und: Aus dieser Gruppe glauben 43 Prozent, dass die VIPs die beworbene Marke auch selbst verwenden.

Jetzt stellt sich die Frage: Wie sieht es denn eigentlich mit Prominenten in Radio-PR-Beiträgen aus? Immer wieder werden wir gefragt, ob es nicht schick wäre, wenn Berühmtheit A oder B einen O-Ton zum Produkt geben würde. Grundsätzlich ist es das auch, denn es erhöht schlichtweg die Aufmerksamkeit. Aber es gibt ein paar Bedingungen, die stimmen müssen. Erstens müssen die O-Töne qualitativ einwandfrei sein. Ob Promi oder nicht, eine Face-to-Face-Aufnahme ist immer die bessere Wahl. Dann sollte man sich auch die Frage stellen, ob das Thema stimmt und im Radio Sinn macht. Wäre der Beitrag auch ohne O-Ton eines VIPs interessant, spannend und informativ? Denn selbst wenn der Papst über die berühmte Nuss mehr im Schokoriegel sprechen würde, so wäre es nach wie vor ein Thema, das für 99 Prozent der Hörer nicht von Belang ist. Zu guter Letzt muss der Promi zum Produkt bzw. zur Botschaft des Beitrags passen. Denn hier geht es letzten Endes um die Glaubwürdigkeit des Themas und des „Experten“ – und als solcher gilt die Berühmtheit in diesem Falle!

Autor: Iris Mohr; Foto: opeth – Fotolia

Neue Medien: Neue Begriffe aus der Welt der Webradios

WebRadios

Radio im Internet: Das ist mehr als nur die Adaption der Ultra-Kurz-Welle auf Bits und Bytes. Radio im Internet ist sehr vielfältig und hat sich längst vor allem bei dem jüngeren Publikum etabliert. 13,2 Millionen Deutsche über 14 Jahre geben an, in den letzten zwei Wochen ein Webradio genutzt zu haben. Das weist eine gerade veröffentlichte Untersuchung des Webradiovermarkters audimark aus. Dabei verfügt der typische Webradionutzer über ein hohes Haushaltsnettoeinkommen (42,6% haben 2.500 Euro; im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein Plus von 8,5%) und über ein hohes Bildungsniveau (32,1 % mit Fach/oder Hochschulreife / Gesamt: 26,6%).

Die GEMA zählt derzeit 1.990 Webradios und mit der Angebotsbreite sind über die Jahre auch neue Standards und Begrifflichkeiten entstanden. Hier sind einige von ihnen kurz und knapp erklärt.

Online Only-Webradios

Zu den Online Only-Webradios sind Radioprogramme zu zählen, die nur im Internet veröffentlicht werden. Sie unterscheiden sich oft von den UKW-Sendern dadurch, dass sie mit ihren Programm­inhalten oder ihrer Musikfarbe ganz spezielle Zielgruppen ansprechen. Beispiel: Das Eurotransportradio aus Ahlen fährt ein spezielles Programm für LKW-Fahrer und Trucker. Laut Webradiomonitor 2014 gibt es derzeit in Deutschland 1.711 Online Only-Webradios.

Simulcast

Unter Simulcast ist die Übertragung ein und desselben Inhalts über mehrere Kanäle zu verstehen. Das heißt, nahezu alle UKW-Sender sind heute nicht nur über ihre Sendefrequenzen zu erreichen, sondern sie streamen bzw. bieten ihr Programm auch eins zu eins über das Internet an. Zu den am meisten genutzten Streams zählen die Angebote von Antenne Bayern, 1Live sowie Hit Radio FFH.

Radio-Aggregatoren

Radio-Aggregatoren wie Radio.de oder phonostar sind im Prinzip Suchmaschinen für sämtliche Audioangebote im Netz. Das heißt, sie bündeln alle Programme auf einer Plattform, samt der Submarken. Ein recht neues Angebot ist der Radioplayer, der wie die anderen auch alle Sender in einer App anbietet. Das ist recht praktisch, denn so kann man seinen Lieblingssender aus der Region ganz einfach per Handy oder Tablet beim Joggen oder Chillen im Café hören.

Online-UKW-Submarken

Das sind Zusatzangebote von Radiosendern, die nur über das Internet zu empfangen sind und als Ergänzung zu der ursprünglichen Musikfarbe des entsprechenden Senders den Hörern offeriert werden. Das Programm von Antenne Bayern z.B. kann eins zu eins über das Netz gehört werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Inhalte mit den Hits der 80er zu empfangen. Allerdings aus­schließlich online.

User Generated Radio:

Das Besondere am User Generated Radio ist, dass jeder Internetnutzer auf bestimmten Webseiten sein eigenes, individuelles Radio anbieten und verbreiten kann. Das bekannteste Webportal ist Laut.fm, eine Art Mitmach-Radio, das weder dem Anbieter noch dem User etwas kostet. Außerdem übernimmt laut.fm z.B. die evtl. anfallenden GEMA-Gebühren und Streamingkosten.

Webradio-Sessions (Online-Reichweiten)

Die Nutzung von Audioangeboten im Internet wird in Streams gemessen. Eine durchschnittliche Webradio-Session, so die aktuelleren Untersuchungen, dauert etwa 1 Stunde und 18 Minuten. Zu den erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Anbietern zählt die reine Webwelle 1LiveDiggi mit 1,52 Mio. Sessions pro Monat(!). Das meistgehörte Online Only-Webradio ist mit seinen 20 Kanälen RauteMusik mit 11,75 Millionen Sessions im Monat.

Autor: Michael Scheidel: Foto: RadioOffice

Kinderradio: Sender und Sendungen speziell für Kids

Sweet young girl and retro dusty radio

Welchen Radiosender hören Kinder eigentlich gerne? Wahrscheinlich den, den die Eltern selbst am liebsten hören. Dabei ist das Radio-Angebot für den Nachwuchs inzwischen groß. Und besonders im Netz gibt es zahlreiche Streams und Podcasts, die sich speziell an die jüngsten Hörer richten. Hier eine kleine Auswahl.

Ein bekannter Vertreter ist zum Beispiel Radio Teddy. Seit 2005 als Vollprogramm in Potsdam auf Sendung, kann der kommerzielle Sender inzwischen in Berlin, Kassel, Schwerin, Koblenz und Rostock über UKW empfangen werden. In Hessen ist auch der Empfang via DAB+ möglich und natürlich kann über die Webseite auch ein Livestream angehört werden. Radio Teddy richtet sich sowohl an die Kinder als auch an ihre Eltern. Das spiegelt sich natürlich auch im Programm wieder: Der Morgen beginnt mit einer bunten Sendung für die ganze Familie mit Musik und kindgerechten Nachrichten. Der Vormittag, während die Kinder in der Schule sind, ist für die Eltern gedacht mit Ratgeberthemen, Tipps und entsprechender Musik. Gegen Abend stehen dann zum Beispiel Hörspiele und Geschichten auf dem Programm.

Als nicht-kommerzieller Sender bietet Radiojojo via DAB in Berlin und Brandenburg ein auf Kinder zugeschnittenes Programm. Radiojojo verspricht ein „spannendes, fröhliches, gewaltfreies und pädagogisch sinnvolles Programm“ für Kinder von drei bis 13 Jahren. Zudem gibt es viele internationale Projekte, die den Austausch zwischen den Kindern aus verschiedenen Ländern auf den Weg bringen sollen.  Und: Kinder können auch selbst Radio machen, zum Beispiel mit der eigenen Schulklasse.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender bieten Sendungen für Kinder – sowohl zu bestimmten Zeiten im laufenden Programm als auch im Netz auf eigenen Webseiten als dauerhafter Stream. Figarino lautet zum Beispiel das Angebot des MDR. Hauptfiguren sind natürlich Figarino selbst, der einen Fahrradladen besitzt und dementsprechend gerne an Fahrrädern schraubt, und sein Kater, Long John Silver. In begrenzten Zeitfenstern kann das Kinderprogramm auf der Frequenz von MDR Figaro empfangen werden. So können die Kinder samstagsabends den Abenteuern von Figarino und Long John Silver lauschen, jeweils samstags- und sonntagsvormittags stehen Hörspiele, Geschichten oder Reportagen auf dem Programm, die zum Teil auch von den Kinderreportern erzählt werden. Über die Webseite kann der Stream rund um die Uhr angehört werden. Einzelne Sendungen stehen außerdem auch nachträglich zum Download zur Verfügung.

Ein ähnliches Angebot bietet der WDR in Nordrhein-Westfalen mit KiRaKa. Über den Stream der Webseite ist KiRaKa täglich von 6 bis 22 Uhr zu hören. Über WDR5 kann das Kinderprogramm am Mittag für eine Stunde über UKW empfangen werden, am Abend läuft eine Stunde lang die „Bärenbude“, eine „Sendung für Radioanfänger“. Die Kinder werden bei KiRaKa ausdrücklich zum Mitmachen aufgerufen. Das gilt nicht nur für das „Radio machen“ an sich, sondern bezieht sich auch auf deren Beteiligung an den Sendungen. Per Internet und Telefon (kostenlos) können die Kids bei Rätseln mitraten, Fragen stellen, die Charts bestimmen oder Musikwünsche äußern.

Einen sehr guten Überblick über das Kinderradio-Angebot bietet Radio.de. Hier können nicht nur die Streams der gängigen Kinderradio-Sender und deren Sendungen angehört werden, sondern man findet auch ganz spezielle Streams, wie zum Beispiel Radio4Baby (für Säuglinge und Schwangere), AbRaCaDaBra (englischsprachige Kinderlieder), Baby Joy (türkisches Kinderradio) oder PolskaStacja (polnisches Kinderradio).

Autor: Iris Mohr; Foto: Fotolia, zdravinjo

Reportage, BmO und Co.: Die Beitragsformen im Radio

Beitragsformen

Interview, Beitrag, Reportage oder Kollegengespräch: Auch wenn der BmO (Beitrag mit O-Tönen) ein echter Klassiker in den Radioprogrammen ist, so stehen den Radiomachern doch noch viele andere Möglichkeiten offen, ein Thema darzustellen. Für welche man sich entscheidet, hängt letztendlich vom Thema selbst, der Situation bzw. der Aktualität und natürlich auch dem Format des Senders ab. Hier nun ein kleiner Überblick über die wichtigsten Beitragsformen im Radio:

Die Reportage: Eine Reportage wird meist bei aktuellen Ereignissen oder neuen Entwicklungen eines bereits bekannten Themas eingesetzt. Deshalb berichtet ein Reporter oder eine Reporterin auch immer direkt vom Ort des Geschehens. Er oder sie vermittelt den Hörern so einen Eindruck von der Situation. Häufig sind Hintergrundgeräusche oder auch O-Töne von Passanten oder Anwohnern zu hören. Eine Reportage wirkt dadurch oft sehr lebendig.

Die Meldung: Unter einer Meldung versteht man einen kurzen Aufsager. Sie enthält in der Regel keine O-Töne und wird vom Moderator während der Sendung – beispielsweise zwischen zwei Musikstücken – vorgetragen. Meist handelt es sich dabei um Veranstaltungshinweise oder zum Beispiel auch kuriose und neue Studienergebnisse, die für die Hörer relevant sind und somit einen Verbrauchernutzen haben.

Das Feature: Das Feature ist ein eher längerer Beitrag, der nicht nur über ein bestimmtes Thema informiert, sondern auch künstlerische Elemente enthält, wie zum Beispiel Geräusche oder Musik. Außerdem kann durch den Ablauf und die Zusammenstellung des Materials eine besondere Atmosphäre erzeugt werden. Ein weiteres Merkmal: Das Thema wird häufig von mehreren Seiten beleuchtet und verschiedene Meinungen aufgezeigt.

Das Kollegengespräch: Im Prinzip ist das Kollegengespräch eine Unterhaltung zwischen dem Moderator, der durch die Sendung führt, und einem Reporter, der sich über das entsprechende Thema informiert hat. Das Kollegengespräch wird häufig für Verbrauchertipps oder lokale Informationen eingesetzt und kann O-Töne eines Experten enthalten, die während des Gespräches kurz eingespielt werden. Von der Länge her entspricht ein solches Gespräch ungefähr einem BmO (Wie ein guter BmO aussehen sollte, erfahren Sie hier).

Die Collage: Den Begriff Collage kennen viele wahrscheinlich noch aus der Schulzeit, genauer aus dem Kunstunterricht. Dabei werden zum Beispiel einzelnde Stücke aus Papier, zum Beispiel der Zeitung, neu zusammengesetzt und aneinandergeklebt. Auch bei der Radio-Collage werden einzelne Stücke neu zusamengefügt. Das können O-Töne, Moderationssätze, Nachrichten-Elemente, Musik oder Interviewpassagen sein. Im Vordergrund steht im Vergleich zum Feature jedoch der künstlerische Aspekt. Gleichzeitig soll die Collage eine Atmosphäre schaffen, eine besondere Stimmung erzeugen.

Wer noch mehr Infos möchte: Eine gute Übersicht über weitere Beitragsformen im Hörfunk gibt es hier

https://www.lmz-bw.de/journalistische-elemente-radioarbeit.html

und hier

http://www.gfk3.muc.kobis.de/index.php?id=498 .

Autorin: Iris Mohr; Foto: Fotolia – Oleksiy Mark

Vom O-Ton bis zum fertigen Beitrag – aber bitte nicht umgekehrt!

Microphones on the podium

Radio hören ist beliebt – auch und gerade bei den Jüngeren. Das ist nicht neu, aber so schön, dass man es gar nicht oft genug erwähnen kann. Finde ich als einer, der seit über 20 Jahren leidenschaftlich mit dem Medium beruflich verbunden ist. Die Gründe, warum das so ist, können ganz individuell und unterschiedlich sein. Der eine liebt die aktuellen Charts und Nachrichten, die „lustigen“ Moderatoren des Formatradios. Andere stehen eher auf Hinter­grundberichte, Hörspiele, Reiseberichte oder Dokumentationen zu wissenschaftlichen Themen. Das Radio bietet grundsätzlich Vieles, auch wenn sich die Vielfalt in den letzten Jahren ein wenig ausgedünnt hat.

Na klar, ich höre auch gerne Musik und bin als Dinosaurier unter den Hörern begeistert, wenn Songs aus meiner Jugendzeit gespielt werden. Aber ich höre vor allem Radio, weil ich gerne Nachrichten höre. Weil mich Wirtschafts- und Verbrauchersendungen von WDR 2, dem Inforadio Berlin oder Bayern 5 aktuell begeistern (mehr Mut wünschte ich mir hier bei den Privaten). Weil im Radio Informationen ohne bildliche „Effekthascherei“ auf den Punkt formuliert werden.

Die guten „Radiomacher“ schaffen es, Informationen über Sprache in kürzester Zeit so zu formulieren, dass jeder sie versteht. Im Idealfall Situationen zu schaffen und Bilder zu er­zeugen, die ich kenne, die mich ansprechen, die ich durchlebt habe und/oder die mir einen informativen Mehrwert vermitteln, der mich gedanklich später noch beschäftigt und mein Handeln beeinflusst. Sie präsentieren in Berichten O-Töne, die anders sind als die im TV. Sie sind oft, finde ich, prägnanter, lebendiger, nachdrücklicher.

Die Sprache im Radio lebt von ihrer Vielfalt. Das sollten meiner Meinung nach alle beherzigen. Auch die, die als PR-Hörfunker unterwegs sind und den Sendern redaktionelle Bausteine zuliefern. Wer einen Text abliest, und das gilt vor allem für vorformulierte O-Töne, der redet nicht!

O-Töne sollten authentisch klingen. Die Sätze sollten kurz sein. Wortwiederholungen sind sogar erlaubt (man muss nicht krampfhaft nach Synonymen suchen). Das Verhältnis von O-Ton zu Moderationstext sollte bei 45 zu 55% liegen. O-Töne sollten die persönliche Note des O-Ton-Gebers wiedergeben. In sie gehören Informa­tionen, die den Bericht stützen, die eine Meinung auf den Punkt bringen, die einprägsam etwas zusammenfassen, die Vergleiche ziehen, die im Kopf bleiben.

Das sage nicht ich, das sagen alle Radioexperten. Und ich finde, daran müss(t)en sich gute PR-Hörfunker halten! Deshalb steht bei uns am Anfang immer das Face-to-Face-Interview, der „echte“ O-Ton mit offenen Fragen. Und nicht der vorformulierte PR-Text mit ausge­arbeiteten Zitaten, die authentisch in nahezu allen Fällen kaum vorzulesen, äh, zu sprechen sind. Und den Bericht aus meiner Sicht so entstellen, dass er nicht mehr hörenswert ist. Da kann das Thema noch so gut sein. Am Anfang steht immer der O-Ton!

Autor: Michael Scheidel; Foto: Fotolia artisticco

Radio-PR: Nehme ich den Marktführer oder doch lieber die Nummer 1?

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Sie haben ein interessantes Thema, das Sie gerne auch im Radio spielen möchten? Dann sollte der nächste Schritt sein, sich an eine kompetente Hörfunk-Agentur zu wenden. Aber wie findet man die? Und woher weiß man, dass am Ende auch das Ergebnis stimmt? „Marktführer“ und die „Nummer eins der Branche“ ist selbstverständlich jeder. Deshalb gibt es hier einige Tipps, worauf Unternehmen bei der Agenturauswahl unserer Ansicht nach achten sollten.

Aus Unternehmenssicht entscheidet in der Regel der Preis, welche Agentur das Projekt umsetzen wird. Aber eines vorweg: Überprüfen und vergleichen Sie, was Sie dafür auch bekommen (und auch, was Sie nicht bekommen)! Legen Sie vor allem Wert auf eine ausführliche Beratung! Nur so können Sie auch von der Erfahrung der Agentur profitieren. Lassen Sie Ihr Thema realistisch einschätzen, denn das ist einer der wichtigsten Faktoren: Wenn das Thema nicht passt, wird es auch nicht gesendet!

Das gilt auch für die verschiedenen Formate. Womöglich eignet sich Ihr Produkt oder Ihre Veranstaltung nicht für einen klassischen Hörfunkbeitrag. Eine professionelle Agentur wird Ihnen die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile erklären und Ihnen unter Umständen auch von einem Format oder Thema abraten, dafür aber einen neuen Umsetzungsvorschlag machen. Grundsätzlich sollten Sie auf einen guten Mix achten. Nicht die Masse ist wichtig, sondern die Vielfalt. Können die wichtigen Aspekte in einem klassischen Beitrag wirklich untergebracht werden? Sollte vielleicht der Experte direkt in den Dialog mit den Radiosendern treten? Oder macht doch eher eine Meldung Sinn? Eine kompetente Agentur wird Ihnen diese Fragen beantworten.

Abgesehen von einem guten Thema sollte der Beitrag natürlich auch formatgerecht umgesetzt werden. Das heißt: Der Beitrag sollte eine Länge von 1´45 min nicht überschreiten (An- und Abmoderation nicht mit eingerechnet), besser sind 1´30 min. Ein Stück, das länger als zwei Minuten ist, hat fast keine Chance auf Ausstrahlung. Formatgerecht bedeutet aber auch, dass keine Telefon-O-Töne verwendet werden. Die Akzeptanz in gebauten Beiträgen ist bei den Sendern sehr gering. Schnell zum Hörer greifen und ein Interview führen und aufzeichnen können die Redakteure schließlich selbst. Deshalb sollten Sie an dieser Stelle nicht sparen, sondern auf saubere und sendefähige Face-To-Face-Töne Wert legen.

Schließlich sollten Sie sich die Frage stellen, wie Ihr Material zu den Sendern gelangt. Entscheidend ist dabei unserer Ansicht nach der persönliche Kontakt zu den Redaktionen. Eine Ankündigung Ihres Beitrages per E-Mail-Newsletter, die Veröffentlichung auf Online-Portalen ist natürlich gut, aber in erster Linie digitale Fleißarbeit und kein Gradmesser für den Erfolg der Radio-PR-Maßnahme. Das A und O ist die telefonische Ansprache des Redakteurs oder der Redakteurin, um das Thema direkt vorzustellen. Auf diese Weise können auch direkt Nachfragen beantwortet und womöglich zusätzliche O-Töne oder Materialien wie Videos etc. vermittelt werden. Letztendlich ist für den Sender nicht entscheidend, welcher Marke der Absender angehört (beispielsweise einer Nachrichtenagentur), sondern ob das Thema, die redaktionelle sowie die technische Umsetzung des Materials einwandfrei ist und somit ins Programm passt.

Autorin: Iris Mohr

AC, UC, AOR – Was die verschiedenen Radioformate bedeuten

Format-Radio

AC, CHR, AO oder auch UC – diese Abkürzungen stehen für die verschiedenen Hörfunkformate, über die sich die Radiosender zu einem großen Teil definieren. Denn sie bestimmen natürlich den Musikstil, aber auch den Wortanteil, die Bandbreite der Themen und auch die Art der Präsentation. Wir wollen die häufigsten Formate kurz vorstellen.

Adult Contemporary – AC:

AC ist das wohl am weitesten verbreitete Format. Zielgruppe sind die 24- bis 49-jährigen Hörer. Musikalisch wird ein Mix aus aktuellen Hits und denen der letzten zwei Jahrzehnte gespielt, der den Geschmack der breiten Masse treffen soll. Der Wortanteil ist am Morgen etwas höher. Nachrichten wechseln sich mit aktuellen Themen (häufig auch regional geprägt) ab. In regelmäßigen Abständen finden zur Hörerbindung Promotions bzw. große Gewinnspielaktionen statt.

Urban Contemporary – UC:

Zielgruppe dieses Formats sind die 18- bis 34-Jährigen. Der Wortanteil ist relativ gering, auch Nachrichten spielen eine untergeordnete Rolle. Meldungen und News beziehen sich eher auf Titel und Interpreten der rhythmusorientierten Musik.

Contemporary Hit Radio – CHR:

Die 14- bis 29-jährigen Hörer sind die Kernzielgruppe dieses Formats. Dementsprechend werden auch hauptsächlich aktuelle, schnellere Musiktitel gespielt, die in der Regel nicht älter als sechs Jahre alt sind. Daraus ergibt sich eine eingeschränkte Playlist und eine schnelle Rotation der Titel. Sehr aktuelle Hits werden oft schon nach 90 Minuten wiederholt. Die Moderationen sind meist knapp und mit viel Witz gestaltet, außerdem finden häufig Gewinnspiele statt, um die junge Hörerschaft an den Sender zu binden.

Album Oriented Rock – AOR:

AOR findet man in Deutschland etwas seltener. Der Musikstil orientiert sich an Rockbands, die teilweise auch weniger bekannt sind. Die Hörer sind vorwiegend männlich und zwischen 18 und 45 Jahre alt. Da bei AOR-Sendern die Musik im Vordergrund steht, ist der Wortanteil geringer und Nachrichten spielen eine untergeordnete Rolle.

Middle of the Road – MOR:

Dieses Format richtet sich an die 35- bis 55-jährigen Hörer. Grundsätzlich wird ein breites Massenpublikum angesprochen, einzelne Sendungen können sich aber an eine spezielle Zielgruppe (z.B. Kinder) richten. Auch musikalisch richtet sich man sich eher an die Masse, weshalb weder brandaktuelle noch alte Hits gespielt werden, möglichst harmonisch und melodiös. MOR-Sender haben einen hohen Wortanteil mit informativem Charakter. Gewinnspiele und Promotionen sind selten.

Oldies/Gold:

Oldie-Sender sprechen in erster Linie die über 40-jährigen Hörer an. Es werden fast ausschließlich Oldies und Evergreens bis zu den 70er Jahren gespielt, sowohl national als auch international. Die Moderationen sind eher ruhig.

Melodie-Schlager:

Der Name ist Programm, da der Musikmix aus vorwiegend deutschen, melodiebetonten Schlagern und volkstümlicher Musik besteht. Zielgruppe sind die 30- bis 59-Jährigen. Gewinnspiele und große Promo-Aktionen sind häufig.

Infos/News:

Der Fokus liegt bei diesem Format auf den aktuellen Nachrichten, die in schneller Rotation gesendet werden. News- bzw. Info-Sender richten sich an sehr interessierte Hörer zwischen 25 und 50 Jahren. Promotionen finden häufig statt.

Autorin: Iris Mohr

Foto: Fotolia Oleksiy Mark

 

Weitester Hörerkreis, Stammhörer & Co.: Die wichtigsten Radio-Reichweiten im Überblick

Schon gewusst? Die Radio-Reichweiten im Überblick

Stundenreichweite, weitester Hörerkreis, Tagesreichweite: Manchmal ist es gar nicht so einfach, beim Zahlensalat im Radio den Durchblick zu behalten. Gerade wer noch nie Kontakt mit Radio-PR hatte, wird sich vielleicht fragen, was die Zahlen eigentlich zu bedeuten haben. Deshalb gibt es hier nun eine kleine Übersicht zu den Reichweiten im Hörfunk.

1. Die Technische Reichweite: Damit wird angegeben, wie viele Hörer ein Sender theoretisch im Sendegebiet erreichen kann.

2. Der weiteste Hörerkreis: Dazu zählen alle Personen, die angeben, einen speziellen Sender innerhalb der letzten 14 Tage gehört zu haben.

3. Stammhörer: Dieser Messwert umfasst den Anteil der Bevölkerung ab 14 Jahren im Sendegebiet, der das jeweilige Programm (Sender) an mindestens vier von sieben Tagen der Woche hört.

4. Die Tagesreichweite: Statt Tagesreichweite wird auch oft der Begriff „echte Hörer gestern“ angegeben. Dazu zählen alle Hörer, die im Tagesablauf während mindestens eines vorgegebenen Zeitabschnitts (15 Minuten) Radio gehört haben.

5. Die Nettostundenreichweite: Sie ist die wohl wichtigste Angabe. Denn zur Nettostundenreichweite zählt die Hörerschaft, die pro Sendetag in einem bestimmten Zeitabschnitt „eine Stunde“ Radio hört, also tatsächlich ihr Ohr durchgehend am Lautsprecher hat. Dieser Wert variiert im Laufe eines Tages. Beispiel: In der Prime-Time zwischen 7 und 8 Uhr hat ein Sender eine Nettostundenreichweite von 1,0 Mio. Hörer. Um 17 Uhr jedoch können dies weniger als die Hälfte, also nur noch 400.000 Hörer, sein! Im Schnitt aber – also auf die Zeit von 6 bis 18 Uhr – hat der Sender z.B. 750.000 echte Hörer pro durchschnittliche Stunde. Dieser Durchschnittswert ist die genaueste Angabe, die etwa 4/5 der deutschen Hörfunksender ebenfalls zu den Tagesreichweiten und anderen Daten angeben. Er ist vergleichbar mit der Einschaltquote im TV und wird auch „echte Hörer pro Stunde“ genannt.

Autorin: Iris Mohr; Foto: frogarts – Fotolia