PR-Denglisch für Runaways

Do you speak English?

Eben bekomme ich einen Call von einem potenziellen Client, der sich gerne nach dem Pricing erkundigen möchte. Es ginge um einen Pitch und er brauche ein aktuelles Angebot – am besten asap, da er nur noch eine Stunde im Office ist.

Willkommen, bienvenue, welcome in der bunten Welt der PR-Anglizismen. Nicht falsch verstehen, ich bin ein Fan – pardon: Anhänger – der Globalisierung, ich bin der englischen Sprache mächtig und weiß natürlich auch, dass es in einer internationalen Branche mit internationalen Kunden auch viele englische Begriffe gibt, die sich seit Jahren etabliert haben. Aber in der Hörfunk-PR? Einer Branche mit einer Hand voll Anbietern, die sich in der Regel auf den deutschsprachigen Radio-Markt beziehen? Da muten zweisprachige Visitenkarten genauso sinnlos an wie die Pseudo-Anglizismen, die sich in den letzten Jahren breit machen und mehr verwirren als zum allgemeinen Verständnis beitragen.

So können sich unter einem redaktionellen Hörfunkbeitrag wahrscheinlich die meisten etwas vorstellen. Anders als unter einem Radio Press Kit. Da klingt zwar very wichtig, sagt aber nicht viel aus. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Ähnlich sieht‘s beim Infomercial aus – ein Format, das sich viele Hörfunk-Agenturen ganz oben auf ihre Angebotsliste geschrieben haben, vom dem – und das merken wir im Tagesgeschäft immer wieder – viele Kunden aber gar nicht genau wissen, was es eigentlich ist. Dass es sich dabei um einen Werbebeitrag handelt, also gebuchte Werbezeit. Must-Have oder No-Go? Das hängt von der Message und dem Content ab – aber da finden wir schon gemeinsam eine Solution. Vielleicht bei einem Brainstorming. Schließlich ist Storytelling unsere Profession.

Oder wie wäre es mit einem Call in & Win oder einer Case Study im Radio – selbstverständlich mit einem abschließenden Monitoring? Regelrecht langweilig klingen dagegen Bezeichnungen wie Meldung, Telefonaktion, Gewinnspiel, Kollegengespräch oder gar Dokumentation. OMG! Sind wir etwa bei uns in der Agentur old school? Und wenn schon. Retro ist schließlich gerade im Trend. Und mit diesen einfachen, aber nicht hippen Begriffen können Kunden wenigstens etwas anfangen. Und wie sagte Moliere doch so treffend: „Wer so spricht, dass er verstanden wird, spricht immer gut.“

In diesem Sinne, ich muss los – VHS-Kurs Spanisch. Soll ja das neue Englisch sein….

Autorin: Michael Scheidel / Fotolia: coloures pic

Ein Gedanke zu “PR-Denglisch für Runaways

  1. This is oil on my lamp and water on my mill! Sehr schön geschrieben und so wahr!! Habe gerade wieder in einem PR-Seminar die – ups – Werbetrommel gerührt für die guten alten deutschen Vokabeln. Aber leider fällt es vielen nicht mal mehr auf. Sprache im Wandel – sah das eigentlich immer schon so aus? Hätten wir dann nicht noch mehr Lehnwörter im Gebrauch? Vielleicht aus dem Mittelalter. Oder von Napoleon. Na, dann ist Unbehagen unnötig, wenn sich ohnehin alles irgendwo einpendelt. Adieu!

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